Steuern

Spekulationsfrist und Steuern beim Immobilienverkauf

Zuletzt aktualisiert am 14. August 2026 · 8 Minuten Lesezeit

Modernes Einfamilienhaus mit dunkler Fassade

Ob auf den Gewinn aus deinem Immobilienverkauf Steuern anfallen, entscheidet sich an zwei Fragen: wie lange dir die Immobilie gehört hat und wie du sie genutzt hast. Die Antworten darauf sind klar geregelt, die Details werden jedoch regelmäßig missverstanden.

Die Grundregel

Der Gewinn aus dem Verkauf einer Immobilie im Privatvermögen zählt zu den privaten Veräußerungsgeschäften nach Paragraf 23 des Einkommensteuergesetzes. Er ist steuerpflichtig, wenn zwischen Anschaffung und Veräußerung weniger als zehn Jahre liegen.

Maßgeblich sind die Daten der notariellen Beurkundung, nicht der Zeitpunkt der Übergabe oder der Zahlung. Wer am 12. Mai 2016 gekauft hat, kann ab dem 13. Mai 2026 steuerfrei verkaufen.

Die Ausnahme bei Eigennutzung

Wurde die Immobilie im Zeitraum zwischen Anschaffung und Verkauf ausschließlich zu eigenen Wohnzwecken genutzt, entfällt die Steuer unabhängig von der Zehnjahresfrist.

Alternativ genügt die Nutzung zu eigenen Wohnzwecken im Jahr des Verkaufs und in den beiden vorangegangenen Kalenderjahren. Diese zweite Variante wird häufig unterschätzt, denn Kalenderjahre müssen nicht vollständig sein.

Praktisches Beispiel

Wer im Dezember 2024 einzieht, das Jahr 2025 dort wohnt und im Januar 2026 verkauft, erfüllt die Voraussetzung. Es zählen drei Kalenderjahre, nicht 36 Monate.

Ein häusliches Arbeitszimmer steht der Steuerfreiheit nach der aktuellen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs nicht entgegen. Eine dauerhaft vermietete Einliegerwohnung dagegen schon, und zwar anteilig.

So wird der Gewinn berechnet

Der steuerpflichtige Gewinn ist der Verkaufspreis abzüglich der Anschaffungskosten und der Veräußerungskosten.

  • Zu den Anschaffungskosten zählen der Kaufpreis, die Grunderwerbsteuer, Notar- und Grundbuchkosten sowie die damalige Maklerprovision
  • Nachträgliche Herstellungskosten für Anbauten oder wesentliche Verbesserungen erhöhen die Anschaffungskosten
  • Zu den Veräußerungskosten gehören Maklerprovision, Notarkosten für die Löschung von Grundschulden, Gutachten und Inserate
  • Bei vermieteten Objekten mindern die in Anspruch genommenen Abschreibungen die Anschaffungskosten und erhöhen damit den steuerpflichtigen Gewinn

Der so ermittelte Gewinn wird deinem übrigen Einkommen hinzugerechnet und mit deinem persönlichen Steuersatz belastet. Eine Freigrenze von 1.000 € gilt für die Summe aller privaten Veräußerungsgeschäfte eines Jahres. Wird sie überschritten, ist der gesamte Gewinn steuerpflichtig.

Geerbte und geschenkte Immobilien

Bei einer Erbschaft oder Schenkung wird die Besitzzeit des Voreigentümers angerechnet. Hat der Erblasser die Immobilie 1998 gekauft, kannst du sie sofort steuerfrei verkaufen, auch wenn du sie erst vor einem Monat geerbt hast.

Davon getrennt zu betrachten ist die Erbschaftsteuer. Sie richtet sich nach dem Verwandtschaftsgrad und den Freibeträgen, die für Kinder bei 400.000 € und für Ehegatten bei 500.000 € liegen.

Wann es gewerblich wird

Wer innerhalb von fünf Jahren mehr als drei Objekte verkauft, gilt in aller Regel als gewerblicher Grundstückshändler. Dann greifen die Zehnjahresfrist und die Eigennutzungsausnahme nicht mehr, es fällt zusätzlich Gewerbesteuer an.

Diese sogenannte Drei-Objekt-Grenze ist eine Faustregel der Rechtsprechung, keine starre Norm. Auch der Verkauf von drei Objekten kann gewerblich sein, wenn eine klare Wiederverkaufsabsicht erkennbar ist.

Hinweis

Dieser Text gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Steuerberatung. Für deinen konkreten Fall solltest du eine Steuerberaterin oder einen Steuerberater hinzuziehen, insbesondere bei vermieteten Objekten, Erbengemeinschaften oder mehreren Verkäufen.

Häufige Fragen

Zählt das Datum des Kaufvertrags oder der Grundbucheintragung?

Es zählt der Tag der notariellen Beurkundung des jeweiligen Kaufvertrags, sowohl beim Erwerb als auch beim Verkauf. Die Eintragung im Grundbuch ist unerheblich.

Was gilt bei einem Verkauf während einer Scheidung?

Überträgt ein Ehepartner seinen Anteil auf den anderen, kann dies ein steuerpflichtiges Veräußerungsgeschäft sein, wenn die Zehnjahresfrist noch läuft und der übertragende Partner bereits ausgezogen war. Diese Konstellation sollte im Einzelfall geprüft werden.

Muss ich den Verkauf dem Finanzamt melden?

Der Notar meldet jeden beurkundeten Kaufvertrag automatisch an das Finanzamt. Einen steuerpflichtigen Gewinn erklärst du zusätzlich in der Anlage SO deiner Einkommensteuererklärung.

Wie wirkt sich ein Verkauf mit Verlust aus?

Verluste aus privaten Veräußerungsgeschäften kannst du nur mit Gewinnen aus derselben Einkunftsart verrechnen, im selben Jahr oder über den Verlustvortrag in Folgejahren.

Erst der Wert, dann die Steuer

Bevor du die steuerliche Seite durchrechnest, brauchst du eine belastbare Zahl. Die Bewertung dauert etwa drei Minuten.

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